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Überfüllung in DTP Programmen


Bei einer schnelllaufenden Druckmaschine kann es vorkommen, dass das Papier nicht immer passgenau durch die Maschine läuft oder die Druckplatten nicht exakt justiert sind. Im Rollendruck wirken stärkere Zugkräfte auf das Papier, als im Bogenoffsetdruck. Dadurch kann ein Farbauszug gegenüber den anderen Auszügen etwas verschoben gedruckt werden. Bei diesen Passerungenauigkeiten können zwischen aneinanderstoßenden Farbflächen weiße Kanten, die sogenannten "Blitzer" entstehen. Auch wenn die Druckmaschinen immer zuverlässiger werden, treten diese Probleme immer noch auf.

    Überfüllungen in einer Vektorgrafik am Beispiel FreeHand
 


Falls Sie ein Logo in FreeHand erstellt haben, können Sie mit den folgenden drei Methoden eingreifen, um Blitzer zu vermeiden.

Möglichkeit 1: überdruckende Konturen und Linien.
Legen Sie um das blitzergefährdete Objekt eine Linie, die die gleiche Farbe wie die Objektfüllung hat und geben Sie der Kontur die Eigenschaft "überdrucken".
Kontur überdrucken

Sie können sich bei besonderen Anforderungen auch einen eigenen Zeichenpfad, nur für die blitzergefährdeten Kanten erstellen. Hier sind die FreeHand Zeichentechniken gefragt.
Klonen Sie z.B. die blitzergefärdeten Objekte und wählen Xtra > Pfadoperationen > Überschneidung. An der Stelle, wo die Objekte sich überschneiden, bleibt ein neuer Zeichenpfad stehen.
Trennen Sie den Zeichenpfad, sodass nur an der blitzergefährdeten Kante eine Linie stehen bleibt. Das Messerwerkzeug braucht zum Auftrennen eines Pfades ein Dicke, die größer als Null ist.
Erzeugen Sie sich eine Mischfarbe aus den Farben der blitzergefährdeten Objekte und weisen Sie der Linie diese Farbe, sowie die Eigenschaft "Überdrucken" zu.
Oder klonen Sie das obere Objekt, weisen Sie Ihm eine überdruckende Kontur zu und fügen Sie dieses Objekt in das untere Objekt innen ein.

Möglichkeit 2: Druckdialog
Wählen Sie im Druckdialog von FreeHand eine Überfüllungseinstellung. Diese Möglichkeit ist die schnellste und einfachste Lösung, führt aber nicht immer zu brauchbaren Ergebnissen.
Druckdialog


Möglichkeit 3: Xtra
Gehen Sie auf Xtras > Erstellen > Überfüllung.
FreeHand erstellt an der Überlappungsstelle ein neues Vektorobjekt, welches in einer Mischfarbe der beiden zu überfüllenden Objekte eingefärbt ist. Diese Methode ist bei komplexen Zeichenwegen allerdings fehlerhaft. Die erste Methode (die manuelle, überdruckende Kontur) ist die zuverlässigste, um Blitzer zu vermeiden.

Tipp

Im Menü Bearbeiten > Einstellungen > Neuaufbau können Sie die Option "Überdruckende Objekte anzeigen" wählen, um am Monitor zu sehen, welche Objekte überdrucken.
Die Überfüllugseinstellungen sind nicht nur für den Druck aus FreeHand wirksam. Wenn Sie Ihre Datei als EPS speichern um sie aus XPress zu drucken, werden die Überfüllungsangaben mit abgespeichert.
In anderen Vektorgrafikprogrammen wie Illustrator oder Corel Draw funktioniert das manuelle Überfüllen ähnlich. Wählen Sie dazu in Adobe Illustrator in der Palette Grafikattribute die Option "Kontur überdrucken".

 

    Überfüllungen in Photoshop
 


Dieser Fall ist eher selten und macht nur Sinn, wenn Sie eine Illustration in Photoshop erstellen oder eine Vektorgrafik aufrastern, also in Pixelgrafik umwandeln. Bei einem eingescannten Foto werden Sie keine Probleme mit Blitzern haben, da Sie dort kaum Bildteile finden, die aus reinen Prozessfarben bestehen. Falls Sie aber reine Prozessfarben in Ihrer Illustration verwenden und Blitzer vermeiden wollen, gehen Sie in das Menü Bild > Überfüllen. Diese Funktion steht Ihnen nur im CMYK-Modus zur Verfügung.
Indem Sie mit einem Auswahlwerkzeug einen Bildbereich markieren, wird Ihnen die Überfüllung auf den ausgewählten Bereich begrenzt.

 

    Überfüllungen in Quark XPress
 


XPress liefert mit seinen eingebauten Überfüllungsregeln in der Regel brauchbare Resultate.
Im Gegensatz zu dem oben aufgeführten Beispiel bei FreeHand wird in XPress kein neues Objekt erstellt und als überdruckend definiert, sondern vorhandene Objekte werden gespreizt.
Probleme gibt es, wenn ein Objekt auf verschieden eingefärbten Hintergründen liegt. Dann wird mit dem Wert, der in den Programmvorgaben für "unbestimmt" definiert ist, überfüllt.

XPress prüft zunächst, ob für ein Objekt eine manuelle Überfüllungseinstellung definiert wurde, dann überprüft XPress, ob es eine farbspezifische Überfüllungsregel gibt und wenn auch dort nichts vom Anwender definiert wurde, werden die Programmvorgaben (Bearbeiten > Vorgaben > Dokument/bzw. Überfüllung) zum Überfüllen benutzt.

Um eine manuelle Überfüllung zu definieren, rufen Sie sich die Überfüllungspalette über Ansicht > Überfüllung zeigen auf.
Überfullungspalette
Das Programm vergrößert zwischen zwei aneinanderstoßenden Flächen das Objekt mit der helleren Farbe gegenüber dem Objekt mit der dunklen Farbe, d.h. die hellere Farbe läuft unter die dunklere Farbe.
Der in XPress voreingestellte Standardwert für diese Überfüllung beträgt nur 0,144 Punkt, das sind ca. 0,05 Millimeter.
Neben der Einstellung "Standard" können Sie die folgenden Überfüllungsregeln anwenden:

  • Überdrucken: die unter dem markierten Objekt liegenden Objekte werden nicht ausgespart. Alle Objekte werden übereinander gedruckt. Dadurch mischen sich im Offsetdruck die lasierenden Druckfarben.
  • Aussparen: es gibt keine Überfüllung. Diese Einstellung ist stark blitzergefährdet.
  • Autom. Wert + : der Hintergrund wird mit dem Standardwert überfüllt.
  • Autom. Wert - : das Objekt wird mit dem Standardwert unterfüllt.
  • Anwenderdefiniert: hier geben Sie einen eigenen Überfüllungswert ein.

 

Beim Anlegen oder Bearbeiten einer Farbe können Sie farbspezifische Überfüllungsregeln definieren.

Farben bearbeiten

Farben überfüllen

Im obenstehenden Beispiel legen Sie fest, wie ein cyanfarbiges Objekt überfüllt wird, wenn es über einem in der Farbe "Sand" eingefärbten Objekt steht. In der Spalte "Rückwärts" sehen Sie den Wert für ein sandfarbenes Objekt, welches auf einem cyanfarbigen Hintergrund steht.
Wenn XPress keine anwenderdefinierten Überfüllungsregeln gefunden hat, wendet XPress die Programmvorgaben an.

Überfüllungsvorgaben

Die Überfüllungsmethode "Alle Aussparen" verhindert jegliche Überfüllung.
Die Methode "Proportional" liefert abhängig von Kontrast der zu vergleichenden Farben eine geringere Überfüllung als die Methode "Absolut".
Die Option "Überfüllungsauszug" reduziert die Saumbildung an den überfüllten Kanten, indem für jeden Farbauszug eine individuelle Überfüllung errechnet wird.
Sie sollten die Option "Weiß ignorieren" aktivieren, damit XPress die Farbe des Papiers nicht als eigene Farbe betrachtet und in die Überfüllung einberechnet.
Die "Aussparbegrenzung" sorgt dafür, dass eine Überfüllung erst dann angewendet wird, wenn der Helligkeitsunterschied der zu vergleichenden Farben mindestens dem dort angegebenen Wert entspricht.
"Überdrucken über 95%" bedeutet, dass Objekte mit mehr als 95% Schwarz (wie z.B. schwarze Schrift) darunterliegende Flächen nicht aussparen, sondern komplett überdrucken.

Aufgabe

Erstellen Sie eine Datei mit unterschiedlich überfüllten Objekten.
Drucken Sie eine Separation der überfüllten Objekte mit 400% Vergrößerung auf einem postscriptfähigen Laserdrucker. Geben Sie für Testzwecke bei den Überfüllungswerten besonders hohe Werte an (2 mm oder mehr), um den Überfüllungseffekt besser sehen zu können.

Tipp

Erhöhen Sie den Standardüberfüllungswert in XPress je nach Qualität des Druckverfahrens auf 0,2 -0,3 pt.
Wenn Sie in den Voreinstellungen die Methode "proportional" anstatt "absolut" wählen, vergleicht das Programm den Tonwertunterschied der zu überfüllenden Objekte und errechnet anhand dieses Tonwertunterschieds die Überfüllung. Die proportionale Methode ergibt eine geringere Überfüllung, als die absolute Methode.
Die Überfüllungsregeln gelten nur für in XPress erstellt Objekte. Nicht aber für ein importiertes EPS.

 

    Tipps, Literaturhinweise und Links
 


Neben der Überfüllung in den oben genannten DTP-Programmen haben Sie auch die Möglichkeit, eine Überfüllung in einer spezialisierten Überfüllungs-Software wie Trapwise oder Supertrap vorzunehmen oder die Überfüllung im RIP (Raster Image Processor) durchführen zu lassen.

www.impressed.de Informationen zu Trapwise und Supertrap.

 

 
 
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Letzte Aktualisierung dieser Datei am: 08.12.2003
Autor: Stephan Franke · Impressum und Hinweise zu diesen Seiten
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